Sonntag, 3. November 2019

Die Mauer - Ein Bilderbuch über Vorurteile, Vielfalt und ein schönes Miteinander


„Die Mauer: Eine Parabel“ von Giancarlo Macri und Carolina Zanotti, illustriert von Mauro Sacco und Elisa Vallarino, erschienen im 360Grad-Verlag


Am 9. November 1989 fiel die Mauer, die Deutschland teilte. Es war eine sichtbare Mauer, die niedergerissen wurde. Aber es gibt nicht nur die sichtbaren Mauern, die ausgrenzen und isolieren, es gibt auch die unsichtbaren. Die in unseren Köpfen. Die die auch echte Mauern wieder entstehen lassen könnten. Daher habe ich  anlässlich des Mauerfalls vor 30 Jahren, eine Parabel zu diesem Thema ausgewählt. Das Buch ist sehr witzig aufgemacht und unterhält damit schon die Kleinsten, aber es macht auch nachdenklich und regt zum Diskutieren an. Ein Bilderbuch für Groß und Klein und es hat sogar eine echte eingebaute Mauer.

Darum geht es in der Geschichte „Die Mauer“


Auf der ersten Doppelseite sehen wir viele bunte Gesichter und es scheint eine fröhliche Stimmung zu herrschen. Dann kommt der blaue König mit seinem blauen Berater und fragt, wie es sein kann, dass er von so vielen Bunten umgeben ist. Lange war er nicht mehr in seinem Reich unterwegs gewesen und es missfällt ihm, was er nun sieht. In seinem Königreich soll es nur die Blauen geben. Er befiehlt, die anderen Farben wegzuschicken. 

„Die Mauer: Eine Parabel“ von Giancarlo Macri und Carolina Zanotti, illustriert von Mauro Sacco und Elisa Vallarino, erschienen im 360Grad-Verlag


Da das nicht zu 100% funktioniert, befiehlt er, eine Mauer zu bauen. Dafür allerdings braucht er Maurer und das sind die Roten. Sie werden geholt und die Mauer errichtet. Nun hat der König ein neues blaues Königreich mit roten Maurern.
Aber er will auch Gärten. Dafür werden die Grünen benötigt und geholt. Und so geht es weiter und im Königreich wird es bunter und auch enger. 

„Die Mauer: Eine Parabel“ von Giancarlo Macri und Carolina Zanotti, illustriert von Mauro Sacco und Elisa Vallarino, erschienen im 360Grad-Verlag


Als der König sieht, dass auf der anderen Seite der Mauer nur wenige Menschen sind, befiehlt er, die Mauer niederzureißen. Der König ist sichtlich zufrieden und erfreut sich an den vielen bunten Gesichtern.

Vorurteile errichten Mauern


Mauern sind vor allen in unseren Köpfen, meist sind es Vorurteile die uns diese Barrieren errichten lassen. Damit entgeht uns aber auch die Chance auf Vielfalt und die Möglichkeit zu lernen und uns weiterzuentwickeln. Ein Bilderbuch, das zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Im Bilderbuch die Mauer wird das kindgerecht verbildlicht, wie unsinnig solch eine Mauer ist. 



Eine echte Mauer im Buch


Wie so oft beim 360 Grad Verlag ist auch dieses Bilderbuch besonders gestaltet. Der König baut im Buch eine Mauer und diese Mauer richtet sich im Buch auch tatsächlich in 3D auf. 

„Die Mauer: Eine Parabel“ von Giancarlo Macri und Carolina Zanotti, illustriert von Mauro Sacco und Elisa Vallarino, erschienen im 360Grad-Verlag


Auch die einfache Umsetzung mit den bunten Gesichtern lässt das Geschehen einfach nachvollziehen und macht Spaß. Die Geschichte wird übrigens komplett durch Comicblasen als Gespräch zwischen dem König und seinen Berater abgebildet. 

Für den Unterricht in Deutsch, Religion und Ethik


Das Buch eignet sich auch wunderbar für den Schulunterricht, sowohl für ein Beispiel einer Parabel im Deutschunterricht als auch in Religionsunterricht oder Ethikunterricht. 

„Die Mauer: Eine Parabel“ von Giancarlo Macri und Carolina Zanotti, illustriert von Mauro Sacco und Elisa Vallarino, erschienen im 360Grad-Verlag, ist ein 54-seitiges Bilderbuch für Kinder ab 5 Jahren, das für 18 EUR unter der ISBN 978-3-96185-527-8 erhältlich ist.


1 Kommentar:

  1. Grundsätzlich halte ich es für wichtig und richtig, dass im Unterricht Werte wie Empathie, Respekt und ein gutes Miteinander thematisiert werden. Gleichzeitig habe ich jedoch in Bezug auf dieses konkrete Buch einige inhaltliche und didaktische Bedenken, die ich gerne teilen möchte.

    Das Buch vermittelt aus meiner Sicht eine sehr stark vereinfachte und eindeutig wertende Darstellung gesellschaftlicher Vielfalt. Es arbeitet mit klaren symbolischen Gegensätzen, in denen Abgrenzung grundsätzlich negativ und Offenheit grundsätzlich positiv dargestellt werden. Differenzierungen, Zielkonflikte oder auch legitime Spannungsfelder, die mit diesem Thema in der Realität verbunden sind, werden dabei nicht sichtbar.

    Gerade weil Migration und gesellschaftliche Vielfalt aktuell kontrovers diskutierte Themen sind, erscheint mir diese Vereinfachung problematisch – insbesondere dann, wenn sie im Unterricht nicht entsprechend eingeordnet und reflektiert wird.

    Beim Buch "Die Mauer" lässt sich sachlich sagen:

    Es arbeitet mit einer klaren moralischen Dichotomie
    (Mauer = schlecht, Offenheit = gut)
    Es verzichtet auf Ambivalenzen und Zielkonflikte
    Es stellt keine Fragen wie:
    Wo sind Grenzen sinnvoll?
    Wie geht eine Gesellschaft mit widersprüchlichen Werten um?

    Das Buch vermittelt implizit:

    Vielfalt ist funktional und positiv
    alle tragen etwas bei

    Kritik daran:

    Das reduziert Menschen auf Nützlichkeit
    und blendet Konflikte, Unterschiede und auch Scheitern aus

    Im Buch wird die Mauer eindeutig negativ aufgeladen.

    Problem:

    Es wird nicht gezeigt, dass Grenzen auch:
    ordnend
    schützend
    notwendig
    sein können

    Das Buch bietet hier keine Abwägung, nur moralische Setzung.

    „Bunt gut, Blau schlecht“

    Das ist eine typische symbolische Vereinfachung, falls parteipolitisch bezogen ist das unter Hinweis auf den Beutelsbacher Konsens problematisch:

    Farben stehen für „richtig“ vs. „falsch“
    komplexe Realität wird auf ein klares Schema reduziert

    Im Hinblick auf den Beutelsbacher Konsens halte ich es für wichtig, dass:

    gesellschaftlich kontroverse Themen auch als solche dargestellt werden (Kontroversitätsgebot),
    Schülerinnen und Schüler nicht mit einer einseitigen moralischen Deutung konfrontiert werden (Überwältigungsverbot),
    und Raum für eigene Urteilsbildung geschaffen wird.

    Meine Sorge ist, dass dies bei einer ausschließlichen Arbeit mit dem genannten Buch ohne ergänzende kritische Begleitung nicht ausreichend gewährleistet ist.

    Ich möchte daher anregen,

    den Einsatz des Buches im Unterricht kritisch zu prüfen,
    bzw. sicherzustellen, dass eine altersgerechte Einordnung und Diskussion erfolgt, die auch unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt.

    AntwortenLöschen

Mit Absenden eines Kommentars erklärst Du Dich einverstanden, dass personenbezogene Daten (z.B. IP-Adresse, Standort des Logins etc.) eventuell abgespeichert und für Statistiken von Google weiterverarbeitet werden.
Beim Setzen eines Hakens für weitere Benachrichtigungen auf Folgekommentare erklärst Du Dich ebenfalls einverstanden, dass personenbezogene Daten (z.B. IP-Adresse, Standort des Logins etc.) abgespeichert werden.
Weitere Informationen findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google