Mittwoch, 7. September 2016

Bitte nicht öffnen. Bissig!




Nemo (Spitzname von Nepomuk) bekommt ein ominöses Päckchen mit folgender Anschrift: An Niemand!, Wo der Pfeffer wächst, Am Arsch der Welt. 




Der pfiffige Postmann ist überzeugt, dass Nemo der einzig in Frage kommende Empfänger dieses Päckchens sei. Seine ängstliche Mama verbietet, das Päckchen zu öffnen und bittet ihn, es am nächsten Tag zur Post zu bringen. Aber natürlich siegt die Neugier. Mit seinem Freund Fred öffnet er das Paket und zum Vorschein kommt ein Yeti-Kuscheltier. Und dann beginnt es im kleinen Städtchen Boring zu schneien und das mitten im Sommer. Der kleine Yeti erwacht zum Leben und wächst bis über 2m. So passt er natürlich in kein Paket rein. Die Suche nach der Herkunft des Yetis beginnt. Denn ein Absender stand natürlich nicht auf dem Päckchen.

Das Buch ist wunderschön gestaltet. Das Cover in Paketoptik hat ein Loch, wo ein Auge durchschaut. Auf der Innenseite sieht man dann den kleinen Yeti.



Des Weiteren gibt es eine Übersichtskarte über das kleine Städtchen Boring und Umgebung, wo der Leser alle Handlungsorte wiederfinden kann. Solche Karten interessieren meinen großen Räuber ganz besonders und es wird immer wieder nachgeschlagen. 



Das Buch hat, wie meistens bei der Altersklasse ab 8 Jahre, einige schwarz-weiß Bilder. Diese sind aber sehr schön gestaltet.



Die Sprache des Buchs ist modern und in den Dialogen sehr umgangssprachlich. Die Hauptcharaktere Nemo, Fred und Oda haben jeder ihre kleinen alterstypischen Probleme (z.B. erste Schwärmereien, Eltern, die viel unterwegs sind, eine spezielle Schuldirektorin), die das Buch schön abrunden. Das Buch ist durchweg spannend, so dass man immer noch ein Kapitel und noch ein Kapitel lesen möchte und so waren die 240 Seiten schnell gelesen. Für Selbstleser trifft die Altersempfehlung wohl gut zu, da doch recht viel Text bewältigt werden muss, aber als Vorlesebuch ist es auch für meinen sechsjährigen Erstklässler schon sehr gut geeignet. 

Am Ende des Buchs gibt es eine Leseprobe zum zweiten Band, der „Bitte nicht öffnen. Schleimig heißt.“ Nemo bekommt wieder ein Päckchen und diesmal ist einer dieser Glibberbecher mit grünen Schleim drin. Diese Leseprobe klingt sehr interessant, ABER der Band soll erst im Herbst 2017 erscheinen, was meinen großen Räuber dann doch betrübt hat. Ein Jahr ist für einen Sechsjährigen doch eine lange Zeit. 


Nun noch die Meinung des großen Räuberkinds (6): „Das Buch ist sehr lustig und auch spannend. Da schneit es im Sommer und die Schule muss ausfallen. Man möchte immer weiterlesen und wissen, was als nächstes passiert. Das Icy-Monster spricht immer so lustig, wie ein kleines Baby. Aber es ist doof, dass es das Buch mit dem Schleim noch nicht gibt.“

„Bitte nicht öffnen. Bissig!“ von Charlotte Habersack ist beim Carlsen Verlag erschienen, 240 Seiten dick und für 9,99 EUR erhältlich. ISBN 978-3551652119

Samstag, 3. September 2016

Drachenreiter von Cornelia Funke





Cornelia Funke ist eine DER Kinderbuchautorinnen unserer Zeit. Um so trauriger ist es, dass ich bisher noch kein Buch von ihr gelesen habe. Höchste Zeit dies zu ändern! Die Wahl fiel auf „Drachenreiter“, da ich Drachen schon immer interessant fand und auch aktuell eine neue Ausgabe mit wunderschönen mystischen Cover auf den Markt gekommen ist. Wenn man das Buch aufschlägt, sieht man in der Kapitelübersicht, dass die Kapitel eine schöne „Häppchengröße“ haben, nicht zu kurz und nicht zu lang. Und dann beginnt das Buch:

„Nichts rührte sich im Tal der Drachen. Nebel trieb vom nahen Meer herbei und blieb zwischen den Bergen hängen. Vögel zwitscherten zaghaft in dem feuchten Dunst und die Sonne verbarg sich hinter den Wolken.“ 

Mit diesen kurzen Sätzen hat man als Leser bereits ein schönes Bild im Kopf. Frau Funke braucht keine langatmige Beschreibungen. Und dann kugelt da die kleine Ratte herbei und schimpft, dass man gleich mal grinsen muss. Der Leser ist sofort mitten im Geschehen und von der Handlung gefangen genommen. Mir gefällt die beschreibende Bildsprache (vermooste Felsen, krumm gewachsene Tannen), mit deren Hilfe man immer weiter in die Welt eintauchen und sie vor seinem inneren Auge entstehen lassen kann. Das Koboldmädchen und der Drache machen dann den ersten Leseeindruck perfekt.



Die Nachricht der schimpfenden Ratte führt zu einer Drachenversammlung. Die Ratte berichtet, dass die Menschen das Tal, in denen die Drachen sich versteckt halten, geflutet werden soll. Darauf beschließt Lung, ein junger Drache, den „Saum des Himmels“ zu suchen, den letzten Rückzugsort für Drachen. Nur weiß keiner genau, wo sich dieser Ort befindet und so begibt sich Lung mit dem Koboldmädchen Schwefelfell auf eine lange Abenteuerreise, an deren Anfang noch Ben, ein Waisenjunge, hinzukommt. Auf der Reise treffen sie verschiedene Menschen, Tiere und Fabelwesen, die einen sind ihnen wohlgesonnen, andere nicht. Aber der größte Bösewicht von allen ist Nesselbrand, der Goldene und von ihm werden sie gejagt. 





Der schöne Schreibstil und die spannende, fantasievolle Geschichte lassen einen das Buch kaum aus der Hand legen. Es war mein erstes Funkebuch und das Buch ist einfach nur toll und ich freue mich darauf, es in einigen Jahren zusammen mit den Räubern wieder zu lesen. Aber nun freue ich mich erstmal auf die Fortsetzung (fast 20 Jahre nach Erscheinen des ersten Drachenreiterbuchs), die Ende September erscheint und direkt auf meinen Weihnachtswunschzettel gewandert ist. Sie heißt „Die Feder eines Greifs“. Ob ich wohl bis Weihnachten warten kann?

„Drachenreiter“ von Cornelia Funke ist beim Dressler Verlag erschienen, ab 10 Jahren empfohlen und 448 Seiten dick. ISBN ISBN-13: 978-3791504544

Dienstag, 16. August 2016

Der fabelhafte Regenschirm - Die verrückte Stadt



Ella und Paul vertreiben sich bei ihrem Opa die Zeit mit Versteckspielen. Als sie dabei einen alten verstaubten Regenschirm finden, gehen sie hinaus, um ihn im Regen zu reinigen. Danach befinden sie sich aber nicht mehr in Opas Garten, sondern in einer fremden Stadt und diese Stadt ist alles andere als normal: hier gibt es statt Eis Gemüse in Waffeln, auf den Spielplätzen spielen Erwachsene, im Park werden Schafe, Kühe und Schweine ausgeführt während Hunde und Katzen im Stall auf dem Bauernhof leben. So ziemlich alles ist verkehrt und keiner der Bewohner kann sich erinnern, ob es immer schon so war und wie es eigentlich sein müsste. Paul und Ella machen sich auf die Jagd, um das Rätsel zu lösen und den Bewohnern zu helfen.



„Der fabelhafte Regenschirm“ ist eine neue Reihe von Sarah Storm und „Die verrückte Stadt“ der Auftakt.  Die Grundidee ist nicht ganz neu, gibt es doch einige Reihen, wo Kinder durch die Weltgeschichte reisen, am bekanntesten wohl „Das magische Baumhaus“ aus dem selben Verlag. In jedem Band werden die Kinder ein Rätsel lösen und reisen dafür durch die Zeit oder an einen fremden Ort. Die Reihe ist für Mädchen wie Jungen gleichermaßen geeignet und wird für ein Alter von 8-10 Jahren empfohlen.




Das Buch hat viele schöne Illustrationen (schwarz/weiß), die das Buch schon für jüngere Kinder zum Vorlesen geeignet macht (Der große Räuber ist 6 und hatte keine Verständnisprobleme). Für Selbstleser dürfte die Verlagsempfehlung ab 8 Jahre gut zutreffen. Der Abstand zwischen den Zeilen ist recht groß, der Textanteil pro Seite damit überschaubar, da noch sehr viele Bilder dazukommen. Auch als erwachsener Leser war ich sehr gespannt, die Ursache für dieses Durcheinander in der Stadt zu erfahren. Die Lösung ist relativ banal und leicht zu beheben, aber man muss ihr erstmal auf die Spur kommen. Der Spannungsbogen ist super aufgebaut, das Buch an keiner Stelle langatmig und oft gibt es einen Lacher über die skurrilen Zustände in der Stadt. Am Ende des Buchs lernen Ella und Paul die Nachbarskinder Nina und Ben kennen, die sie in Zukunft gerne mit auf ihre Abenteuer nehmen möchten. Also werden im nächsten Band dann wohl 4 Kinder mit dem Regenschirm verreisen.



Kindermeinung vom großen Räuber (6):

„Das Buch ist echt lustig. In der verrückten Stadt spielen die Erwachsenen auf dem Spielplatz und die Segelboote sollen auf der Wiese fahren. Und da wundern die sich, warum das nicht geht. Die Lösung war dann ganz einfach. Das hätte noch spannender sein müssen.“



„Der fabelhafte Regenschirm – Die verrückte Stadt“  von Sarah Storm ist beim Loewe Verlag erschienen, unter der ISBN 978-3785584347, enthält 128 Seiten und ist für 3,99 EUR erhältlich. Der zweite Band „Rettung für das Zebra“ kostet 7,99 EUR. Weitere Bände sollen im Frühjahr 2017 erscheinen. Für die Serie gibt auch entsprechende Hörbücher und Ebook-Ausgaben.