Hochsensible Kinder empfinden alles intensiver. Lärm, visuelle Überfrachtung oder auch kratzige Oberflächen sind wahre Herausforderungen im Alltag. Auf der anderen Seite haben hochsensible Kinder auch ihre Stärken. Levi ist ein hochsensibles Kind und im Bilderbuch “Levi – So fühlt sich die Welt für mich an” wird erzählt, wie er das anderen Kinder begreiflich machen konnte.
Levi - So fühlt sich die Welt für mich an
Dass Levi auf dem Heimweg vom Kindergarten sehr ruhig ist, kennt seine Mama. Er braucht Zeit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Aber heute ist dennoch etwas anders als sonst. Levi schweigt auf dem ganzen Nachhauseweg und verschwindet zuhause direkt in sein Zimmer. Irgendwann kommt Levi wieder heraus und Mama bietet einen warmen Kakao an. Schließlich beginnt Levi zu erzählen.
Ein Junge hatte im Kindergarten ein sehr lautes Blechspielzeug dabei. Levi hat sich so erschrocken und sich die Ohren zugehalten. Da hat der Junge gelacht und gemeint, Levi sei eine Mimose. Mama erklärt Levi was eine Mimose ist und dass diese Pflanzen recht schlau sind, weil sie sich selbst vor zu viel Druck schützen können. Sie erklärt Levi auch, dass Menschen unterschiedlich sind und auch verschiedene Dinge mögen, wie z.B. Spielzeug, das laute Geräusche macht. Aber wie kann Levi den anderen Kindern erklären, dass er mehr fühlt und solche lauten Dinge für ihn unerträglich sind? Da hat Mama eine Idee.
Als die Kinder am nächsten Tag im Kindergarten erscheinen, kündigt Erzieher Tim einen Experimentiertag an. An der ersten Station sollen die Vorschulkinder Worte aufmalen, die sie schon kennen. Dann dreht Tim aber die Musik so laut auf, dass die Kinder sich nicht konzentrieren können. Mit Kopfhörer geht es schon besser. An den nächsten Stationen erwartet die Kids grelles Blinklicht und stachlige, kratzige Materialien. Abschließend liest Tim ihnen eine Geschichte vor und kommt so mit ihnen über das heute Erlebte ins Gespräch. Nun können die Kinder verstehen, wie Levi sich fühlt und es entsteht eine ganz neue Ebene an Rücksicht und Zusammenhalt.
Im Bilderbuch "Levi - So fühlt sich die Welt für mich an" finden sich nicht nur hochsensible Kinder wieder und fühlen sich verstanden, sondern es erklärt auch eindrücklich ihrem Umfeld, was es heißt, stärker als andere zu hören, zu sehen, zu fühlen. Dieses Bilderbuch hat ein so wichtiges Thema und sollte an jedem Kindergarten und jeder Grundschule ein zu Hause finden. Da Hochsensibilität nicht von außen sichtbar ist, ist auch die Wahrnehmung und Akzeptanz derselben noch viel zu gering in der Gesellschaft. Wie schnell wird man dann doch in die Mimosen-Schublade gesteckt.
Autorin Chris Gust ist hier ein wundervolles und vor allem einfühlsames Bilderbuch über sensible Kinder gelungen. Beim Lesen fühlte ich mich an vielen Stellen an meinen jüngsten Sohn erinnert. Matthias Derenbach hat die schönen Illustrationen beigesteuert, die sich auf das Wesentliche konzentrieren und dennoch mit kleinen liebevollen Details daherkommen. Die jeweiligen Gefühle der Kinder werden hier exzellent eingefangen.
Noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Als mein großer Sohn das Bilderbuch sah, frage er mich, ob ich da ein Bilderbuch über den Fußballer Lewandowski habe. Ich muss ziemlich verwirrt dreingeschaut haben, aber dann ging mir ein Licht auf, dass er vom Titel "Levi" und dem Fußball auf dem Cover darauf geschlossen hat.
Titel: Levi - So fühlt sich die Welt für mich an
Autorin: Chris Gust
Illustrationen: Matthias Derenbach
Verlag: mvg Verlag
Seitenanzahl: 32-seitiges Bilderbuch
ISBN: 978-3-7474-0457-7
Altersempfehlung: ab 3 Jahren
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