Donnerstag, 7. Februar 2019

Heraus aus der Finsternis


Frauenwahlrecht und Emanzipation als Comic für Kinder: "Frankfurt 1918 - Heraus aus der Finsternis" von Christopher Tauber und Annelie Wagner, Zwerchfell Verlag, Junges Museum Frankfurt, Rezension auf Kinderbuchblog Familienbücherei


Vor nun mehr 100 Jahren, genau gesagt am 19.Januar 1919 durften Frauen zum ersten Mal an der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung teilnehmen. Mehr als 80 Prozent der Frauen gingen wählen, es kandidierten 300 Frauen und 37 von ihnen zogen in die Nationalversammlung an. Was für uns heute eine Selbstverständlichkeit ist, war für die Frauen damals ein großer Kampf. „Mädchen und Frauen heraus aus der Finsternis!“ war damals eine der Aufforderungen, die man auf Flyern und Bannern lesen konnte. Wie erkläre ich nun einem Kind heute, wie das damals war für die Frauen und Mädchen im Jahr 1918/1919?  Meine Antwort ist das Buch „Heraus aus der Finsternis“ von Christopher Tauber und Annelie Wagner. Es ist nicht nur einfach ein Kinderbuch, sondern ein Comic, der aus der Sicht von Mädchen uns die Zeit von 1918 näherbringt.


Frauenwahlrecht und Emanzipation als Comic für Kinder: "Frankfurt 1918 - Heraus aus der Finsternis" von Christopher Tauber und Annelie Wagner, Zwerchfell Verlag, Junges Museum Frankfurt, Rezension auf Kinderbuchblog Familienbücherei


Wie wurde das Thema im Comic „Heraus aus der Finsternis“ umgesetzt


Frankfurt 1918. Die Mädchen Jenny und Käthe erleben, wie der 1. Weltkrieg endet und die Männer von der Front heimkehren. Die Frauen, die in den letzten Jahren schwer in den Fabriken gearbeitet haben, werden nun entlassen, da wieder männliche Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Immer mehr Frauen interessieren sich für Politik und wollen mitbestimmen. Im Laufe der Geschichte lernen Käthe und Jenny noch andere Mädchen kennen und sie alle haben das gleiche Problem: Jungsbanden, die den Mädchen das Leben schwer machen, sie rumschubsen oder ihnen Spielzeug wegnehmen. Angetrieben von der Frauenbewegung dieser Zeit verbünden sich die Mädchen und stellen sich den Jungs entgegen. Schnell erkennen Sie das Kämpfen mit Waffen unsinnig ist und nur neue Rache und Kämpfe nach sich ziehen. Hier muss eine andere Lösung her!

Meine Meinung zum Comic über das Frauenwahlrecht


Liest man in einem Geschichtsbuch über diese Zeit und das Frauenwahlrecht, ist man ehrlich gesagt ziemlich gelangweilt. Dieses Buch hier ändert das gewaltig. Nachdem ich die Geschichte gelesen habe, finde ich das Thema plötzlich interessant und will noch mehr über die Zeit und die Frauen, die für das Wahlrecht gekämpft haben, wissen. So sollte das sein!

Ich bin in den Alltag der Kinder und Frauen im Jahr 1918 eingetaucht. Neben den Text vermitteln die Bilder so viel an Wissen und Verständnis wie es einem Schulbuch wohl nicht gelingen wird. Gerade dass die Geschichte auf der Ebene der Kinder erzählt wird, macht das ganze verständlicher. Wir erfahren viel über Vereine, die den Frauen z.B. bei Amtsgängen geholfen haben, die Brotmarken, die nötig waren wegen der Lebensmittelknappheit, aber auch was die Kinder gespielt habe und das sie auch viel helfen mussten, da die Mütter oft den ganzen Tag gearbeitet haben. Diese Informationen bekommt man ganz leicht neben der eigentlichen Story vermittelt, oft erfährt man auch viel aus den Bildern selbst. 

Frauenwahlrecht und Emanzipation als Comic für Kinder: "Frankfurt 1918 - Heraus aus der Finsternis" von Christopher Tauber und Annelie Wagner, Zwerchfell Verlag, Junges Museum Frankfurt, Rezension auf Kinderbuchblog Familienbücherei


Unbekannte Worte wie Hauspflegeverein und Brotmarke werden in einer Fußnote erklärt. Am Ende des Buch gibt es auch noch ein Glossar und weitere Hintergrundinformationen. Auch ein kleines Suchspiel gibt es. Die Autoren haben 3 Anachronismen im Buch versteckt, d.h. Dinge, die es 1918 noch nicht gab. Eines davon ist sehr schwer zu finden, aber es lenkt spielerisch die Aufmerksamkeit auf die schönen Bilder. ( Bei der Fragestellung zu den Anachronismen hat sich ein kleiner Fehlerteufel eingeschlichen, den ich an den Verlag weiterleiten werde, damit er in der nächsten Auflage korrigiert werden kann. Statt 1742 ist natürlich 1918/19 gemeint.)

Die Bilder wurden in Gelb-, Blau und Rottönen gehalten, oft monochrom mit Akzenten. Ich finde, dass es richtig klasse aussieht. Historische Bilder modern gezeichnet und coloriert. 

Altersempfehlung


Die offizielle Altersempfehlung, die ich im Impressum gefunden habe,  lautet „ab 8 Jahren“. Ich bin da etwas hin- und hergerissen. Klar, kann ein Achtjähriger verstehen, dass die Kinder früher anders lebten und auch die Story mit den Jungsbanden und dem Mädchenaufstand ist für Achtjährige gut nachvollziehbar. Allerdings werden die wenigsten Achtjährigen schon etwas mit dem ersten Weltkrieg, Wahlrecht und Politik anfangen können. Daher würde ich das Buch ab 10 Jahren empfehlen.

Fazit


Hier wird Historisches für Kinder leicht verständlich aufbereitet. Leichtes Lernen durch beeindruckende Bilder und Fakten verknüpft mit einer guten Story, die Interesse und Diskussionen anregt. Bitte mehr davon!

„Frankfurt 1918 – Heraus aus der Finsternis“ von Annelie Wagner und Chrisopher Tauber, erschienen im Zwerchfell Verlag in Zusammenarbeit mit dem Jungen Museum Frankfurt, ist ein 52seitiger Comic, der als Hardcover für 12 EUR unter ISBN 978-3-943547-41-2 im Buchhandel erhältlich ist.



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